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Wichtigste Erkenntnisse aus dem Webinar: Wie KI die Praxis des Wettbewerbsrechts verändert
- Antitrust
- 1 min
KI ist für Wettbewerbsrechtler längst kein Zukunftsthema mehr. Sie verändert bereits heute die Art und Weise, wie Untersuchungen, Gerichtsverfahren und Fusionskontrollprüfungen durchgeführt werden. Gleichzeitig steht KI zunehmend im Fokus von Wettbewerbsbehörden. Diese doppelte Rolle stand im Mittelpunkt eines aktuellen Webinars von Epiq und CCBJ, bei dem Fachleute aus den Bereichen Recht, Compliance, Prozessführung und Technologie darüber diskutierten, wie KI die Praxis des Wettbewerbsrechts verändert.
Moderiert von Erin Toomey, Vice President und Leiterin der Global Investigations and Antitrust/Competition Practice Group bei Epiq, brachte das Webinar Experten aus Unternehmen, Kanzleien und dem Technologiebereich zusammen, darunter:
- Kim Pryor, Chief Legal and Compliance Officer, JBS USA
- Joy Sherrod, Associate General Counsel und Director of Discovery, Intel
- David Cross, Partner, Antitrust and Competition Practice, Goodwin
- Maria Georges, Of Counsel, Vice Chair of eDiscovery, AI, and Information Governance Group, Covington
- Brett Beeman, Managing Director, Antitrust Consulting, Epiq
KI als Gegenstand wettbewerbsrechtlicher Prüfung
Die Diskussion begann mit einer zentralen Frage: Kann der Einsatz von KI durch Unternehmen zu wettbewerbswidrigen Marktbedingungen führen? Die Antwort der Teilnehmer fiel differenziert aus. KI ist nicht grundsätzlich problematisch. Risiken entstehen jedoch dann, wenn sie unabhängige Entscheidungen ersetzt, die Abstimmung zwischen Wettbewerbern erleichtert oder wettbewerbssensible Daten auf eine Weise nutzt, die das Marktverhalten beeinflusst.
Die Referenten betonten, dass die Grundprinzipien des Wettbewerbsrechts unverändert bleiben. Entscheidend sind weiterhin die Fragen: Treffen Unternehmen ihre Geschäftsentscheidungen unabhängig? Werden Informationsflüsse angemessen gesteuert? Und wird KI als Unterstützung eingesetzt, anstatt wettbewerbsrelevante Entscheidungen etwa zu Preisen, Produktionsmengen, Kundenzuordnungen oder Strategien zu automatisieren? Die zunehmende Aufmerksamkeit für algorithmische Preisgestaltung, Werkzeuge zum Informationsaustausch und die Marktmacht von KI verdeutlicht die Bedeutung von Governance, Dokumentation und menschlicher Aufsicht.
KI als Werkzeug für Untersuchungen und Gerichtsverfahren
Im weiteren Verlauf der Diskussion stand die praktische Nutzung von KI durch Rechtsabteilungen und Aufsichtsbehörden im Mittelpunkt. Behörden und private Praxisgruppen setzen KI zunehmend für Early Case Assessment, die Analyse von Beweismitteln, die Priorisierung von Dokumenten, die thematische Clusterbildung, die Erstellung von Custodian-Zusammenfassungen, die Darstellung von Beziehungsnetzwerken sowie die Identifizierung potenziell relevanter Kommunikation ein. Gerade in wettbewerbsrechtlichen Verfahren, die häufig durch enorme Datenmengen und enge Zeitvorgaben geprägt sind, ermöglichen diese Funktionen ein früheres Verständnis der relevanten Sachverhalte und helfen dabei, juristische Expertise gezielt dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schafft.
Gleichzeitig betonten die Referenten, dass KI kein Ersatz für juristisches Urteilsvermögen ist. Technology Assisted Review, Continuous Active Learning und generative KI beschleunigen zwar die Analyse, die Belastbarkeit der Ergebnisse hängt jedoch weiterhin von Validierung, Qualitätskontrollen, Transparenz und der Aufsicht durch erfahrene Juristen ab. Die berufsrechtlichen Anforderungen an Fachkompetenz, Genauigkeit, Offenheit und Vertraulichkeit bleiben unverändert, auch wenn sich die eingesetzten Technologien weiterentwickeln.
Prüfung anwaltlicher Privilegien, ein Anwendungsfall mit hohem Nutzen und hohem Risiko
Ein besonders interessanter Anwendungsbereich der Diskussion war die Prüfung anwaltlicher Privilegien. KI kann dabei unterstützen, potenziell privilegierte Dokumente zu identifizieren, Kommunikation zu erkennen, die durch reine Stichwortsuchen möglicherweise übersehen wird, risikorelevante Inhalte zu priorisieren und erste Beschreibungen für Privilegienprotokolle zu erstellen. Dadurch lassen sich Privilegienprüfungen konsistenter und effizienter gestalten.
Gleichzeitig bleibt die Beurteilung anwaltlicher Privilegien ein hochkomplexes Thema. Werden privilegierte Dokumente versehentlich offengelegt, kann dies erhebliche Risiken nach sich ziehen. Die Diskussionsteilnehmer betonten daher, dass KI die Prüfung unterstützen und priorisieren sollte, die endgültige Entscheidung über das Vorliegen eines Privilegs jedoch nicht ohne anwaltliche Überprüfung treffen darf. Fallbezogenes Training, Stichprobenprüfungen, Validierung und kontinuierliche Rückmeldungen sind entscheidend, insbesondere wenn zwischen Rechtsberatung und geschäftlicher Beratung unterschieden oder der Schutz von Arbeitsprodukten bewertet werden muss.
Wichtige Erkenntnisse
- KI verändert die Grundlagen des Wettbewerbsrechts nicht. Unabhängige Entscheidungsfindung, leistungsbasierter Wettbewerb, Verbraucherwohlfahrt und die Verhinderung wettbewerbswidrigen Verhaltens bleiben weiterhin zentral.
- Governance ist entscheidend. Unternehmen sollten dokumentieren, wie KI Tools eingesetzt werden, auf welche Daten sie zugreifen und an welchen Stellen menschliches Urteilsvermögen in den Prozess einfließt.
- KI beschleunigt juristische Arbeitsabläufe. Early Case Assessment, Dokumentenprüfung, Fusionskontrollanalysen, die Vorbereitung von Vernehmungen und Zeugenaussagen sowie die Erstellung von Privilegienprotokollen profitieren von KI gestützten Lösungen. /li>
- Belastbarkeit und Nachvollziehbarkeit bleiben unverzichtbar. Validierung, Stichprobenprüfungen, Qualitätskontrollen, Transparenz und die Aufsicht durch Juristen sind entscheidend für den Einsatz von KI bei Untersuchungen, Gerichtsverfahren und behördlichen Offenlegungen.
- Die Prüfung anwaltlicher Privilegien wird sich weiterentwickeln, aber nicht vollständig automatisieren lassen. KI kann für mehr Konsistenz und Effizienz sorgen, die abschließende Beurteilung erfordert jedoch weiterhin erfahrenes juristisches Urteilsvermögen.
Übergreifende Erkenntnis: Die zentrale Botschaft der Diskussion war praxisnah und ausgewogen: KI beschleunigt juristische Arbeit, ersetzt jedoch nicht das juristische Urteilsvermögen. Richtig eingesetzt hilft sie Wettbewerbsteams, schneller zu arbeiten, entscheidende Fakten früher zu erkennen und den Austausch mit Aufsichtsbehörden effizienter zu gestalten. Ohne klare Governance, Aufsicht und Dokumentation kann sie jedoch neue Risiken in einem bereits komplexen regulatorischen Umfeld schaffen.
Für Wettbewerbsrechtler besteht die Herausforderung daher nicht allein darin, KI einzusetzen, sondern sie verantwortungsvoll, nachvollziehbar und im Einklang mit fundierten rechtlichen und geschäftlichen Entscheidungen zu nutzen.
Erfahren Sie mehr über die Global Untersuchungen Services von Epiq.

Erin Toomey, Vice President und Leiterin der Antitrust and Global Investigations Practice Group
Erin verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung im Bereich eDiscovery mit besonderem Schwerpunkt auf Wettbewerbs und Kartellrecht sowie globalen Untersuchungen.
Sie berät und unterstützt Mandanten regelmäßig bei Verhandlungen mit dem US-Justizministerium (DOJ) und der Federal Trade Commission (FTC), insbesondere zu Produktionsstandards, Anforderungen an Technology Assisted Review, Fremdsprachenübersetzungen und Zeitvereinbarungen.
Im Laufe ihrer Karriere war Erin für die Betreuung und Umsetzung komplexer eDiscovery Projekte verantwortlich. Dazu zählen die strategische Beratung bei der Datensammlung und Datenverarbeitung, der Einsatz von Technology Assisted Review, die Entwicklung komplexer mehrstufiger Prüfungsworkflows sowie die Erstellung von Produktionen.

Brett Beeman, Managing Director, Advanced Technologies
Brett verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung im Projektmanagement und in der Technologieberatung. Bei Epiq hat er an einigen der größten eDiscovery Projekte gearbeitet, darunter mehrere Second Requests.
Er hat zahlreiche individuelle Lösungen entwickelt, um komplexe Mandantenanforderungen zu erfüllen, und gilt sowohl bei Kollegen als auch bei Mandanten als geschätzter Ansprechpartner für fachliche und technologische Fragestellungen.

Ed Burke, Managing Director, Antitrust and Global Investigations Practice Group
Ed bringt umfangreiche Erfahrung als Prozessanwalt und Leiter der Antitrust and Global Investigations Practice Group von Epiq mit.
Er hat Dokumentenprüfungen für mehr als 100 komplexe Verfahren in den USA, Kanada und Europa geleitet, darunter über 50 Fusionskontrollprüfungen im Wettbewerbsrecht.
Darüber hinaus verfügt Ed über mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Prozessführung bei führenden Anwaltskanzleien. Er hat Mandanten aus unterschiedlichen Branchen vertreten, darunter UnitedHealth Group, Shell, Reuters, H&R Block und die NBA Players Association.
Der Inhalt dieses Artikels dient lediglich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.
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